Jetzt neu in der c’t: Harter Rassismus

Seit Jahrzehnten leistet das IT-Fachmagazin c’t sich eine Besonderheit: Jedes Heft endet mit einer Kurzgeschichte. Die meisten dieser “Stories” sind von überschaubarer literarischer Qualität, haben aber unterhaltenden Charakter. Nicht immer nur harmlos – der Ausrichtung des Magazins entsprechend sind es typischerweise Science-Fiction-Geschichten, gern auch mit technikkritischem Unterton.

In der aktuellen Ausgabe 10/2018 indes findet sich ein bemerkenswertes Story-Exemplar: Die Geschichte “New Age” von Peter Triesberger ist unverhohlen rassistisch. Auf einem Drittel der Geschichte lässt der Autor kaum ein chauvinistisches Klischee aus.

Beginnt die Geschichte zunächst mäßig originell mit einer Dystopie einer kommerziell vernetzten Welt, indem sie Motive von 1984, Facebook und Amazon zusammenrührt, kommen am Wendepunkt eine “afrikanische” Putzfrau und ihre Angehörigen ins Spiel. Diese tragen zwar zur Lösung des Plots bei, aber wie sie das tun, verrät eine Denkensart, die eher an Lothar von Trotha denken lässt als an ein Fachmagazin mit Anspruch. Nach den unvermeidlichen “weißen Zähnen” der Putzfrau kommt ihr “dickes Bündel Zöpfchen” ins Spiel. Ginge es so weiter, wäre es nur peinlich. Es kommt aber dicker: Der Sohn der Dame erweist sich als zerstörungswütiger Wilder, der statt einer Machete eine Fernbedienung zum Laserschwert umfunktioniert und nicht nur Drohnen, sondern auch lästige “Skateboarder” bekämpft. Die Putzfrau palavert indes in Schnalzlaut-Zisch-Singsang (neckisch als “Zulu” tituliert) mit einem Sprachcomputer. Am Ende ist der (weiße) Protagonist dann zum modernen Sklavenhalter avanciert, der die “afrikanische” Sippschaft (bestehend aus Vettern, die sich geschäftstüchtig-bauernschlau zu helfen wissen) zu seinem Schutz und Luxus einzuspannen weiß.

Reichsbürger, Pegida und Nazis würden sich die Hände reiben. Hoffen wir, dass der betreuende Redakteur die Geschichte nicht gelesen hat, bevor er sie ins Heft hob. Das ist nicht nur starker Tobak, das ist widerlich.

Traue keiner Statistik, du könntest dich blamieren

Es muss nicht immer Trump sein – falsche Aussagen (oder nennen wir sie: geschönt) sind ein übliches Mittel in der Propaganda und im Marketing. Ein kleines Beispiel, wie man sich mit sowas derb blamieren kann.

Dieser Tage freuten sich Marketing-Mitarbeiter von Microsoft über eine Meldung der Marketing-Webseite “Werben & Verkaufen”. Diese plakatierte:

Microsoft wird zur Love Brand für deutsche Teenager

(Quelle: W&V)

Wow, klingt cool. Im Text heißt es dann, Microsoft sei in den Top 5 der bei deutschen Jugendlichen beliebtesten Marken – neben erwartbaren Einträgen wie Nike, H&M oder Apple. Ja, das sind wirklich coole News.

Viel weiter darf man die Meldung aber nicht lesen, denn dort heißt es dann:

Allerdings ist diese Sonderauswertung der Studie mit Vorsicht zu genießen: Die Fallzahl lag bei nur 113 befragten Personen.

Das überliest man schnell und gern, denn das hat mit Zahlen zu tun, sogar mit den besonders unsympathischen Zahlen vom Typ “Prozent”. Aber lassen wir uns davon mal nicht beirren, sondern rechnen nach. Die Top-5-Liste bezieht sich auf diese 113 Teenies (nebenbei bemerkt eine schon lächerlich kleine Stichprobe). Den fünften Platz hat Microsoft laut der Meldung mit 5,2 Prozent der Stimmen errungen. FÜNF KOMMA ZWEI PROZENT! Lassen wir uns auch hier nicht beirren, sondern rufen den Taschenrechner auf. 5,2 Prozent von 113 Teenies ergibt (gerundet) eine absolute Zahl von

sechs Stimmen

für Microsoft. Nochmal: Wow. Hier liegt kein Grund für eine Jubelmeldung vor, sondern eine unglaubliche Blamage. Beziehen wir diese sechs Stimmen mal auf die Gesamtumfrage mit 1928 Teilnehmern, dann ist der Anteil mit 0,3 Prozent schon praktisch nicht mehr messbar. Jeder Statistiker hat einem das als methodisch nicht haltbar um die Ohren.

Auf SECHS Kinder zwischen 14 und 17 stolz zu sein und daraus die Behauptung abzuleiten, Microsoft sei ein “Love Brand”, ist, wie es ein Kollege von mir mal sagte, Marketing-Diarrhoe.

“Code of Conduct”: Gut gemeint ist nicht immer gut

imageVerhaltensregeln sind “in” in der digitalen Welt. Organisationen und Unternehmen, die auf die Möglichkeiten moderner Kommunikationsformen setzen, betonen immer häufiger, dass ihnen an respektvollem Umgang gelegen ist. Dafür formulieren sie Verhaltensregeln oder “Code(s) of Conduct” (CoC). Eigentlich eine gute Sache – denn Respekt ist doch wichtig, und wer will sich schon ständig mit “Trollen” und digitaler Pöbelei herumärgern?

Trotzdem bin ich der Meinung, dass die “Code-of-Conduct-Mania” mehr schadet als nützt. Warum?

CoC will negative Kommunikation vermeiden – auf negative Art. Allzu viele “Verhaltensregeln” und “Netikette” beschreiben ausführlich das negative Verhalten, das sie nicht wollen. Verständlich, aber negativ ist immer negativ. Unser Gehirn funktioniert so nicht. Es arbeitet besser, wenn es weiß, was Sache ist und nicht nur gesagt bekommt, was nicht der Fall ist. Ein guter CoC müsste also positiv beschreiben, was er erreichen möchte. Wer sich daran versucht, stellt aber schnell fest, dass der entstehende Text klingt wie eine Kirchentagsansprache oder eine Gardinenpredigt im Kindergarten. Gar nicht so einfach also.

CoC betont Selbstverständliches. Besonders die vorgefertigten Formulierungen großer Unternehmen ergehen sich in langen Aufzählungen von illegalen Aktivitäten, die sie nicht dulden. Das kann aber nicht Aufgabe und Ziel eines Verhaltenskodex sein: Was gesetzlich verboten ist, darf eine Organisation ohnehin nicht tolerieren. Betrachten wir dies von der kommunikativen Seite und versetzen uns in die Rolle des “Empfängers”: Welches Bild hat der Veranstalter von mir, wenn er mich darauf hinweist, dass ich die Gesetze nicht brechen darf? Will ich mit jemandem kommunizieren oder arbeiten, der mir derartige Unkenntnis unterstellt?

CoC erreicht seine Adressaten nicht. Die “herkömmlichen” Verhaltensregeln sind so formuliert, dass sie sich nur an notorische Störenfriede wenden können. Wen sonst müsste man darauf hinweisen, dass er nichts Ungesetzliches tun soll? Wer braucht einen Hinweis auf die elementaren Regeln des Umgangs? Es ist allerdings kaum anzunehmen, dass dieses Klientel sich von einem “Code of Conduct” des vorherrschenden Typs jemals angesprochen fühlt. Man erreicht mit solchen Initiativen also nur diejenigen, die sowieso zustimmen, und mit denen sollte – nein: muss! – man anders reden.

CoC überschreitet seine Grenzen. Besonders in den Kodex-Formulierungen großer Unternehmen finden sich Formulierungen, die dem Adressaten “Aufgaben” oder “Verpflichtungen” zuweisen, die er zu erfüllen habe. Oft gesellen sich Ankündigungen dazu, dass das Befolgen der Regeln überprüft werde und die Regeln auch ohne weitere Ankündigungen angepasst werden könnten. Was die Autoren hierbei übersehen: Ein Verhaltenskodex ist kein Vertrag. Man kann anderen in unserem Rechtsverständnis keine Verpflichtungen oder Aufgaben zuweisen, indem man diese einfach verkündet.

CoC behandelt seine Adressaten schlecht. Die meisten ausformulierten Verhaltensregeln schlagen einen rüden Ton an. Sie versuchen sich in Abgrenzung und gehen dabei den autoritären Weg. Wenn aber ein CoC ohnehin nur die erreicht, die im Großen und Ganzen schon einverstanden sind, dann verprellt man mit diesem Ansatz seine Verbündeten. Man bringt ihnen keinen Respekt entgegen, sondern Misstrauen. Damit verstoßen CoC gegen ihre eigene Absicht.

Deshalb kein Code of Conduct? Lieber ein positiver. Aber besser keinen als einen negativen.

FAQ: Nein, ich leiste keinen Privatsupport

Seit über 15 Jahren betreibe ich Webseiten und Blogs, auf denen ich Artikel zu IT-Themen veröffentliche. Ebenso lang bin ich in Newsgroups und Foren aktiv und beteilige mich dort an Diskussionen, die sich meist um IT-Probleme drehen. Vielleicht wirft das ein etwas seltsames Licht auf mich, aber: das macht mir Spaß.

Ein kommerzielles Interesse verbinde ich damit nicht – zumindest nicht direkt. Über die Jahre habe ich festgestellt, dass mir mein “Hobby” durchaus auch beruflich als IT-Dienstleister nützlich ist. Trotzdem gibt es die Artikel auf meinen Webseiten und die Unterstützung in Foren und Newsgroups kostenlos. Das hängt mit meiner Überzeugung zusammen, dass Communities allen Beteiligten hilfreich sind.

Immer wieder gibt es Leute, die da etwas missverstehen und annehmen, dass sie bei mir kostenlose IT-Dienstleistungen bekommen können. Das ging zeitweise sogar soweit, dass ich mitten in der Nacht von aufgeregten wildfremden IT-Administratoren angerufen wurde, die ihre Server kaupttgespielt hatten und sofortige Unterstützung von mir verlangten – natürlich kostenlos, schließlich publiziere ich ja auch gratis. Manchmal, aber leider nur selten, sahen diese Leute ein, dass das dann doch zu viel verlangt ist, besonders mitten in der Nacht. Irgendwann entfernte ich daher meine Telefonnummer von meinen Webseiten und ersetzte sie durch eine reine Anrufbeantworter-Nummer. (Falls jemand fragt: Ohne Telefonnummer gilt ein Impressum nicht als vollständig.)

Zusätzlich haben meine Webseiten – ebenfalls schon seit vielen Jahren – auf den Kontaktseiten deutliche Hinweise, dass ich keinen Privatsupport leiste. Kostenlos gibt es die Blog-Artikel und meine Beteiligung in Foren. Wer darüber hinaus etwas von mir will, kann gern die Firma beauftragen, bei der ich arbeite. Genau wie andere Leute muss ich mir (und meiner Familie) nämlich meinen Lebensunterhalt verdienen und daher für meine berufliche Arbeit Geld verlangen.

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